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Mit Systempartnerschaften zur patientenzentrierten Medizin

Durch die enge Zusammenarbeit mit einem Systempartner besser auf Kernkompetenzen konzentrieren

Mit Systempartnerschaften zur patientenzentrierten Medizin

Wachsender Kostendruck und zunehmend komplexere Aufgaben jenseits der medizinischen Versorgung stellen viele Kliniken vor enorme Herausforderungen. Ein Ansatz aus der Industrie zeigt einen Weg, wie Ärzte, Pflegeteams und Klinikmanagement sich besser auf ihre Kernkompetenzen konzentrieren können – durch die enge Zusammenarbeit mit einem Systempartner zu beiderseitigem Nutzen.

Die Steigerung von Effizienz und Qualität gehört inzwischen zu den häufig zitierten Anforderungen im Gesundheitswesen. Und der ökonomische Druck auf die Krankenhäuser wächst weiter, denn der ursprünglich vereinbarte ordnungspolitische Rahmen der Krankenhausfinanzierung, die sogenannte Dualistik, findet in Deutschland de facto immer weniger Anwendung. So wird die Finanzierung des laufenden Betriebs aus eigenen Erlösen für viele Einrichtungen immer schwieriger. Laut Angaben des Krankenhausbarometers des Deutschen Krankenhausinstituts (DKI) schreibt inzwischen mehr als die Hälfte aller Kliniken rote Zahlen. Auf der anderen Seite ziehen sich die Bundesländer immer mehr aus der Finanzierung von Investitionen zurück. Wie der AOK-Bundesverband errechnet hat, ist die Investitionsfinanzierung der Länder zwischen 2002 und 2011 um 17,5 Prozent gesunken. Die Folge: Ein Investitionsstau, der mit gängigen Ansätzen kaum noch aufgelöst werden kann – das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) beziffert diesen deutschlandweit auf mittlerweile 15 Milliarden Euro. Tendenz steigend.

Neue Konzepte sind gefragt

Deshalb fordern Experten wie der Gesundheitsunternehmer Professor Heinz Lohmann dringend innovative Lösungen: „Der Wandel ist nicht aufzuhalten. Die Zeit im ‚Naturschutzgebiet‘ geht zu Ende. Jetzt wird es ernst!“ Reine Kostenreduktion bis hin zur Rationierung oder sogar Vorenthaltung von Leistungen könne laut Lohmann allerdings nicht das Mittel der Wahl sein, ebenso wenig wie ein „immer schneller arbeiten“ der Klinikmitarbeiter. Vielmehr gelte es, den Übergang zu einem „anders arbeiten“ zu gestalten und so eine strukturierte, patientenzentrierte Medizin auf Basis von optimierten Prozessen zu schaffen. „Wir dürfen unsere wertvollen Ärzte und Pflegekräfte nicht mit dem üblichen Improvisationstheater verplempern. Dieser Zustand ist nicht weiter hinnehmbar. Die Krankenhäuser müssen ihren Betrieb umkrempeln“, so Lohmann. Einen vielversprechenden Lösungsansatz für den geforderten Übergang zur patientenzentrierten Medizin bietet das aus der Industrie stammende Konzept der Systempartnerschaft. Dabei werden Lieferanten stark in Produktionsprozesse eingebunden. Sie übernehmen die Rolle von Entwicklungspartnern für gemeinsam definierte Lösungen, die anschließend auch im laufenden Betrieb vom Systempartner betreut und an neue Gegebenheiten angepasst werden. In der Automobilindustrie ist dieses Modell weit verbreitet. So stellen etwa Zulieferer den Autoherstellern inzwischen komplette Systemkomponenten zur Verfügung, die in Absprache mit dem Autohersteller entwickelt und hergestellt werden. Außerdem bringen diese Systemlieferanten die Komponenten vor Ort in den Produktionsprozess ein. Dieses Modell ist für beide Partner von großem Nutzen, da beide so ihre jeweiligen Kernkompetenzen voll einbringen können und ein gemeinsames Interesse am Erfolg besitzen. Einige Autohersteller reduzieren dadurch ihre eigene Wertschöpfung auf unter 20 Prozent und können sich so voll auf ihre Kernkompetenz konzentrieren.

Entlastung in den Sekundär- und Tertiärprozessen

Dieses Prinzip lässt sich auch auf das Gesundheitswesen übertragen. Kliniken können sich, wenn sie in bestimmten Bereichen durch Systempartner entlastet werden, verstärkt den ärztlichen und pflegerischen Leistungen widmen – und diese weiterentwickeln. Insbesondere bei den immer komplexer werdenden Sekundär- und Tertiärprozessen wie Bauplanung, IT, Logistik oder Medizintechnik können Krankenhäuser die technischen, organisatorischen und betriebswirtschaftlichen Kompetenzen ihres Partners im beiderseitigen Interesse nutzen. Die Vorteile für die Kliniken liegen auf der Hand. Zum einen reduziert sich durch die Partnerschaft die Komplexität der Aufgaben von Ärzten, Pflegepersonal und Klinikmanagement und erlaubt so eine Konzentration auf das Kerngeschäft „Medizin“, also auf die Sicherstellung einer hochwertigen Versorgung in der Breite und der Tiefe. Gleichzeitig ermöglicht das Know-how des Systempartners eine Erhöhung des Standardisierungsgrads, eine Reduktion des Organisationsaufwands und damit auch Kosteneinsparungen bei den Sekundär- und Tertiärprozessen.

Systempartnerschaft ist kein Outsourcing

Darüber hinaus kann der Systempartner der Klinik auch bei der ökonomischen Umsetzung medizinischer Kernaufgaben wertvolle Unterstützung bieten, etwa durch kontinuierliche Prozessoptimierung, die Implementierung digitaler Workflows oder eine Beratung zur effizienteren Nutzung wertvoller Ressourcen. Ein starker Systempartner mit breiter Erfahrung erleichtert es einer Klinik außerdem, von anderen Einrichtungen zu lernen, durch Benchmarking und Best Practice Sharing. Lohmann fasst es so zusammen: „Auch skeptische Chefärzte kommen an der Erkenntnis nicht vorbei, dass ihnen eine solche Partnerschaft den Rücken freihält, Kapazitäten vergrößert und Konflikte vom Hals schafft.“ Dabei ist es wichtig, eine Systempartnerschaft nicht mit Outsourcing zu verwechseln. Tatsächlich geht der neue Ansatz viel weiter. Mit der Übernahme von Prozessverantwortung durch den Systempartner und dem Ziel gemeinsamer Interessenwahrnehmung übertrifft eine Systempartnerschaft traditionelle Lieferanten- und Outsourcing-Modelle ebenso wie gängige Vorhaben von Public-Private-Partnerships (PPP). „Die Kliniken profitieren durch Systempartnerschaften nicht nur selbst von professionellen Services und der breiten betriebswirtschaftlichen und organisatorischen Erfahrung der Spezialisten, sondern sie haben unmittelbar Anteil am Geschäftserfolg“, betont Lohmann.

Mit Systempartnerschaften zur patientenzentrierten Medizin

Eine Herausforderung für die Industrie

Der Wechsel vom Produktlieferanten zum Systempartner stellt allerdings potenzielle Industriepartner vor große Herausforderungen. Sie müssen nicht nur eigene Prozesse und neue Organisationsformen etablieren, sondern auch neue Formen der Kooperation bei der Finanzierung entwickeln. Zum Beispiel mit Angeboten, die Kliniken und Krankenhäusern nicht nur ein umfassendes Paket von Medizintechnik, Updates und Wartung bieten, sondern zusätzlich eine maßgeschneiderte Finanzierungslösung umfassen. Grundlage hierfür ist eine Umorientierung des eigenen Leistungsportfolios – weg von der Konzentration auf Einzelbeschaffungen, hin zu umfangreicheren Bereitstellungsmodellen; perspektivisch auch darüber hinaus zu echter Verantwortung als Betreiber. Dieser Transformationsprozess ist bei Siemens Healthcare bereits gestartet, wie Dr. Stefan Schaller, der Leiter von Siemens Healthcare Deutschland betont: „Siemens Healthcare steht nicht nur für höchste Kompetenz bei Produkten, Prozessen und technischem Service, sondern auch für innovative Finanzierungkonzepte und Serviceangebote, wie etwa Managed-Service-Modelle und bedarfsgerechte Beratungsleistungen. All das sind zentrale Bausteine für Systempartnerschaften.“ Dabei stellen die Beratungsleistungen nach Meinung Schallers das zentrale Element einer effizienten Systempartnerschaft dar.
Idealerweise wird der Systempartner schon in der Planungsphase bei der Entwicklung einer Gesamtstrategie für die Klinik einbezogen. Ausgehend von den hier definierten Zielen kann er dann seine Expertise für eine Verbesserung der Infrastruktur und der Betriebsorganisation einbringen, zur Workflowoptimierung beitragen und bedarfsgerechte Gerätekonzepte erarbeiten. Ein Erfolgsfaktor dabei ist, dass der Systempartner die Umsetzung der Strategie über die Laufzeit der Partnerschaft begleitet und gemeinsam an dem kontinuierlichen Verbesserungsprozess beteiligt ist. Auf diese Weise können die beiden Partner auch frühzeitig gemeinsam auf sich verändernde Bedingungen reagieren.
Schaller sieht gerade hierin einen zukunftsweisenden Trend für Siemens Healthcare: „Wir wissen, dass Gesundheitsversorger verstärkt nach Partnern suchen, die ihr Know-how kontinuierlich einbringen und umfassende Prozessverantwortung übernehmen. Wir sehen hier großes Potenzial, unseren Kunden echten Mehrwert anzubieten und wollen deshalb unser Lösungsportfolio im Bereich der Systempartnerschaften weiter ausbauen.“ Ein wichtiger Wettbewerbsvorteil für Siemens Healthcare ist es, mit Siemens Financial Services als starkem Finanzierungspartner komplexe Lösungen aus einer Hand anbieten zu können. „Der Investitionsbedarf bei gleichzeitigem Kostendruck stellt Kliniken und Krankenversorger zunehmend vor große Herausforderungen. Gerade hier können wir neue Modelle der Kooperation und gebündelte Lösungen anbieten, welche Medizintechnik, Service und Finanzierung umfassen und genau auf die individuellen Bedürfnisse des Kunden abgestimmt sind“, so Dr. Georg Bauer, Finanzchef der Business Unit Project Structured Finance Healthcare bei Siemens Financial Services.

Internationale Projekte

Beispiele aus Asien und Australien zeigen, wie eine tiefere und breitere Einbindung im Sinne einer Systempartnerschaft aussehen und welche Vorteile sie für eine Klinik bringen kann. So erarbeitete Siemens Healthcare etwa für den Neubau eines Kinderkrankenhauses in der malaysischen Hauptstadt Kuala Lumpur ein integriertes und ablaufoptimierendes Raumnutzungs- und Grundflächenkonzept für zentrale Abteilungen. Dabei ermöglichte die Optimierung des zentralen Operationsbereichs (Anzahl und Anordnung der Räume, Neuberechnung des Gerätebedarfs) effizientere Workflows und einen bis zu 30 Prozent höheren Patientendurchsatz im Vergleich zur ursprünglichen Planung. Noch weiter ging die Einbindung von Siemens Healthcare beim Neubau des Fiona Stanley Hospitals in Perth, Australien. In dem im Oktober 2014 eröffneten Krankenhaus mit 18 OPs und 22 Stationen auf neun Stockwerken zeichnet Siemens Healthcare für die gesamte Medizintechnik verantwortlich – von der Planung über die Beschaffung bis zum Management der Geräte und zum Anwendertraining. Der betreute Gerätepark umfasst etwa 6.000 Geräte verschiedener Hersteller, vom CT-Scanner bis zum Monitoring-System.

Nicht nur Geräte, sondern Funktionalitäten

Die Vorteile einer solch umfassenden Zusammenarbeit skizziert Dr. Mark van Houdenhoven, Vorstandsvorsitzender der Sint Maartenskliniek in Nijmegen, Niederlande: „Eine Klinik braucht von einem Industriepartner wie Siemens Healthcare mehr als nur Geräte, wir brauchen bestimmte Funktionalitäten. Und dazu noch das Know-how, über das solch ein erfahrenes Technologieunternehmen verfügt. Tatsächlich können wir an vielen Stellen von der Industrie profitieren. Wenn ich etwa auf die Beschaffungsprozesse, das Marketing und die Logistik bei Siemens schaue, bin ich durchaus neidisch.“ Und er fügt hinzu: „In einer Partnerschaft, wie sie Siemens Healthcare anbietet, können beide Seiten gemeinsam wachsen. Für uns bedeutet das zum Beispiel, dass wir die Zahl unserer bisher über 900 Lieferanten deutlich reduzieren können. Das ist eine enorme Entlastung.“ Denkt man die Entwicklung hin zu Systempartnerschaften auf Grundlage eines Betreibermodells konsequent weiter, so müssten etwa Kliniken in Zukunft lediglich einen bestimmten Bedarf an Medizintechnik definieren. Der Industriepartner steht ihnen dabei beratend zur Seite und sorgt dafür, dass dieser Bedarf gedeckt wird. Alle hierfür notwendigen Prozesse, von der Planung über den gesamten Betrieb der Systeme bis hin zur Entsorgung alter Geräte würde der Systempartner dann in Eigenregie übernehmen. Momentan ist das noch Zukunftsmusik, aber die Idee einer solchen Kooperation im Gesundheitswesen, die bis vor kurzem noch eine reine Vision war, nimmt immer konkretere Gestalt an.

Datum: 29.05.2015


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