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Der clevere Griff in die Datenkiste

Das vernetzte Gesundheitswesen: Die Zukunft ist digital!

Autor: Philipp Grätzel von Grätz | Fotos: Sandra Stein

Der clevere Griff in die Datenkiste
Für Dr. Frank Schellhammer sind die Dosiswerte entscheidend, die er für seine Institution festgelegt hat. Die Werte liegen niedriger als die für Deutschland definierten Referenzwerte vom Bundesamt für Strahlenschutz.

Wollen Krankenhäuser in einem von Wettbewerb und Kostendruck geprägten Umfeld bestehen, müssen sie mit den Daten des Patienten optimal arbeiten. Nach innen hin optimieren IT-Plattformen für die Vernetzung der Bildgebung die Auslastung und zeigen Möglichkeiten zur Reduktion der Strahlenbelastung der Patienten auf. Nach außen hin helfen Analyse-Tools für das Population Health Management Kliniken dabei, sich als regionale Gesundheitsversorger zu positionieren.

Radiologische Abteilungen in modernen Krankenhäusern müssen an vielen Fronten bestehen: „Auch in einem Haus mit 320 Betten müssen wir das komplette diagnostische Portfolio abdecken können“, betont Dr. Frank Schellhammer, Chefarzt Radiologie im Krankenhaus der Augustinerinnen in Köln. Es ist aber nicht nur die Diagnostik: „Auch der interventionelle Teil der Radiologie wird heute als selbstverständlich erachtet. Eingriffe wie bildgesteuerte Abszessdrainagen müssen 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche zur Verfügung stehen.“unterzugehen.“

KH Augustinerinnen
Das Krankenhaus der Augustinerinnen in Köln bietet ein breites Spektrum an medizinischen Untersuchungen an.

Effizient und hilfreich: modernes Gerätemanagement aus der Cloud

Bei viereinhalb Arztstellen und 10,5 MTAStellen ist das eine Herausforderung. Kein Wunder, dass Dr. Schellhammer sich nach IT-Lösungen umsieht, die ihn und seine Mitarbeiter bei zeitaufwendigen Tätigkeiten entlasten. Dazu zählt unter anderem das Dosismanagement bei der CT-Bildgebung: „Wir sind intensiv dabei, die aktuellen Referenzwerte im Strahlenschutz umzusetzen. Das erfordert den ständigen Überblick, ob im Nachtdienst oder in der Kernarbeitszeit.“

Einfacher dürfte es die nächsten Jahre nicht werden: Die 2014 in Kraft getretene EU-Strahlenschutz-Richtlinie muss bis Februar 2018 in nationales Recht umgesetzt werden. Das wird unter anderem die Anforderungen an die Dokumentation erhöhen: „Wie genau das Gesetz aussehen wird, weiß noch keiner“, betont Dr. Schellhammer. „Aber traditionell sind wir in Deutschland bei der Umsetzung von Strahlenschutzvorgaben eher schärfer als andere.“

Schellhammer
teamplay bietet eine sichere Umgebung, auf der klinische Bilder zwischen Gesundheitsversorgern für Forschung und Lehre ausgetauscht werden können.

Per Zufall stieß der Radiologe vor zwei Jahren auf die teamplay-Plattform von Siemens Healthineers, mit der diagnostische Geräte über die Cloud vernetzt werden – innerhalb einer Abteilung, aber auch über mehrere Standorte oder mehrere Krankenhäuser hinweg. Die Software dient einerseits dem Dosismanagement. Sie kann aber auch dazu genutzt werden, die Auslastung des Geräteparks zu optimieren und Patientenströme umzuschichten.

Vogelperspektive statt Dosis-Kleinklein

Dr. Schellhammer hatte sich damals vor allem deswegen um die Betaversion der Software bemüht, weil er beim Dosismanagement vorankommen wollte. Mittlerweile möchte er die Plattform nicht mehr missen: „Seit knapp einem Jahr setzen wir teamplay bei uns jetzt so ein, dass es für alle einen Benefit bringt. Und wir nutzen zunehmend mehr Funktionen.“

Technisch arbeitet die Lösung mit den Bilddaten und Dosisreports, die im PACS abgelegt werden. Konkret wird der DICOM Header genutzt, ein Datensatz mit Basisinformationen unter anderem zum Gerät, zur Uhrzeit zur Untersuchung, zur Indikation und zur Strahlendosis.

teamplay
teamplay Dosis bietet eine einfache Übersicht der aktuellen Daten und erlaubt weitergehende Analysen, beispielsweise spezifisch je nach Modalität oder Körperregion für ein kontinuierliches Dosismanagement.

Diese Daten werden von teamplay in der Cloud analysiert. Was wir zurückbekommen, ist eine aufbereitete Version, mit der sich sehr gut arbeiten lässt“, so Dr. Schellhammer.

Er selbst setzt sich meist am Freitagnachmittag an den Rechner und verschafft sich einen Überblick über die vergangene Woche. Am Bildschirm sind jene Untersuchungen rot unterlegt, bei denen die Referenzwerte überschritten wurden. „Mit einem Doppelklick erfahre ich dann alles, was ich wissen muss.“ Dr. Schellhammer sieht auf den ersten Blick, ob ein Patient eine erhöhte Dosis erhalten hat. Ist das beispielsweise bei einer CT-Untersuchung des Schädels im Nachtdienst geschehen, deutet dies aus seiner Erfahrung darauf hin, dass es sich um einen unkooperativen oder alkoholisierten Patienten gehandelt hat, wo in der Summe oft höhere Strahlendosen nötig sind.

Anschauungsmaterial für die Geschäftsleitung

Gerne nutzt Dr. Schellhammer auch die Usage-Funktionen von teamplay: „Wir können die Auslastung der Geräte damit grafisch auf die Stunde genau darstellen. In Diskussionen mit der Geschäftsführung ist das sehr hilfreich, weil ich dann nicht aus dem Bauch heraus rgumentieren muss.“ Für Institutionen mit mehreren CTs oder Standorten könne auch das Protokollmanagement spannend sein, ist der Radiologe überzeugt.

Bei ihm spielt das keine Rolle, da er nur über je ein CT und ein MRT verfügt. „Wo unsere Einrichtung wieder ins Spiel kommt, das ist der Bilddatentransfer, den die Plattform ermöglicht. Damit verschicken wir mit sehr wenig Aufwand und hoher Sicherheit komplette Datensätze.“ So testen die Kölner gerade in der Chirurgie eine Optimierung des Hintergrunddienstes. Außerdem wird teamplay von Dr. Schellhammer zur Einholung von Zweitmeinungen verwendet.

Population Health Management für eine datengestützte, intersektorale Versorgung

IT-Lösungen, die es erlauben, intern effizienter zu arbeiten und gleichzeitig besser zu behandeln, sind in Zeiten, in denen wachsender Kostendruck und wachsende Qualitätsanforderungen an jedem Krankenhaus zerren, Gold wert. Doch Krankenhäuser sind im 21. Jahrhundert keine Solitäre mehr. Viele sind Teil regionaler Netzwerke, und manche werden als Anbieter zusätzlicher ambulanter Leistungen sogar zu Vollversorgern – mit entsprechender Verantwortung für ganze Regionen. Um Versorgungsprozesse und auch Präventionskonzepte für solche Szenarien kümmert sich das in Europa noch junge Feld des Population Health Management. Es steht für den langsamen Übergang weg von einer (einzel)leistungsorientierten hin zu einer wertorientierten Medizin. Ohne IT-Lösungen ist ein solches ganzheitliches Versorgungskonzept kaum umsetzbar: „Population-Health-Management-Lösungen werden bisher isolierte Systeme vereinen, Faktoren aufspüren, die Erkrankungen negativ beeinflussen, Patienten stärker einbeziehen und Behandlungsergebnisse auf unterschiedlichen Ebenen messbar machen“, beschreibt Koustav Chatterjee von Frost & Sullivan das Szenario.

Kooperation von Siemens Healthineers mit IBM Watson Health

Siemens Healthineers will regional ausgerichtete Gesundheitsversorger bei diesem datengestützten, evidenzbasierten Gesundheitsmanagement unterstützen. Hierzu kooperiert das Unternehmen mit IBM Watson Health in einer globalen Allianz für Population Health Management. Im Vordergrund stehen soll dabei die Versorgung von Patienten mit komplexen, chronischen und kostspielig zu behandelnden Erkrankungen, etwa Herzerkrankungen oder Krebserkrankungen.

Siemens Healthineers erhält im Rahmen dieser Allianz Zugriff auf den IBM Watson Care Manager, der aus klinischen und anderen individuellen Daten durch kognitive Analytik Erkenntnisse ableitet, mit denen sich die Versorgung besser und individueller steuern lässt. „In einem zweiten Schritt wollen wir auch umfassende Lösungen und Services gemeinsam entwickeln“, betont Dr. Arthur Kaindl, Leiter der Business Line Digital Health Services bei Siemens Healthineers.

Betriebswirtschaftlich relevant werden leistungsfähige Population-Health-Management-Lösungen für Krankenhäuser dann, wenn Vergütungssysteme eine zumindest teilweise wertorientierte Vergütung einführen, bei der Faktoren wie das medizinische Resultat oder auch die Patientenzufriedenheit in das Entgelt einfließen. „In den USA sind diese Vergütungsmodelle heute am weitesten entwickelt“, so Kaindl. Er rechnet fest damit, dass auch andere Länder diesen Weg gehen. Umso wichtiger wird es für Krankenhäuser, nicht nur die eigenen Daten zu kennen, sondern möglichst viele Datenquellen zu nutzen. Der clevere Griff in die Datenkiste wird für Krankenhäuser zu einem Überlebensfaktor.

Datum: 07.07.2017


Über den Autor
Philipp Grätzel von Grätz arbeitet als freier Medizin- und Wissenschaftsjournalist in Berlin. Zu seinen Auftraggebern zählen zahlreiche Fachmedien, aber auch Stiftungen, Forschungsorganisationen und Verbände. Seine Spezialgebiete sind Medizintechnik, IT im Gesundheitswesen, Gesundheitspolitik und Innere Medizin. Am Imperial College in London erwarb der Mediziner den Master in Science Communication.

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